Matthias dreht schon seine Runde durch den Betrieb und ich bereite das Frühstück vor. Wo er beim Wein eher zu den trockenen Varianten greift, muss es beim Frühstück was Süßes sein. Honig und verschiedene Marmeladen stehen schon auf dem gedeckten Tisch, der Kaffee duftet vielversprechend aus der Küche rüber, aber … irgendwas fehlt noch. Mein Müsli! Schnell hole ich mir noch eine Schale, fülle sie in der Küche mit meiner Lieblingsmischung und schütte noch ein paar getrocknete Cranberrys darüber. Joghurt und Milch kommen am Tisch drauf. Da fällt mir eine helle Beere auf. Ich picke sie aus der Schale und betrachte sie kritisch. Hm, wahrscheinlich noch unreif. Die kommt raus! Irgendwie erinnert mich das an Matthias und seinen Qualitätsanspruch, über den ich mich manchmal lustig mache. Verstört schüttele ich den Kopf. Soll sie etwa wieder rein? Nein! Die nicht! Ich lasse sie auf der Arbeitsfläche liegen und setze mich. Matthias kommt herein und holt noch was aus der Küche, dann stellt er sich neben mich. Irritiert drehe ich mich zu ihm um und sehe in Zeitlupe, wie sich seine Hand langsam über meine Schale schiebt. Seine Finger halten locker die aussortierte Beere, bereit zum Öffnen. Meine Augen weiten sich. Seine Stimme hallt durch mein Hirn: „Du hast da was vergessen!“ – „Neeeeein!“, schreie ich und werfe mich gerade noch rechtzeitig schützend über mein Müsli. Gerettet! Trauben, das kann er, aber Cranberrys …, das müssen wir noch üben!
Cranberry









