Diesmal plaudere ich ein bisschen aus dem Nähkästchen. Oder sollte ich lieber fachbezogen sagen: aus dem Raritätenkeller. Als mein Mann Matthias Anfang September schon an den ersten stressigen Tagen der Lese dramatisch von sich gab: „So einen Herbst hatten wir noch nie! Das gibt im Leben nix.“, hätte ich wahrscheinlich beunruhigt sein müssen. War ich aber nicht, denn tief in meinem löchrigen Gedächtnis streichelte mich eine zarte aber hartnäckige Erinnerung. Und je angenehmer das Gefühl wurde, obwohl es ja eher eine apokalyptische Aussage war, desto mehr erinnerte ich mich. Das sagt er nämlich schon seit ein paar Jahren. Eigentlich höre ich das in JEDEM Herbst. Mal ist es zu trocken, mal ist es zu nass, mal zu warm, dann zu kalt. Da stimmt die Säure nicht, oder hier die Farbe. Zu viel Oechsle, zu wenig Oechsle. Als geborener Perfektionist liegt es ihm eben im Blut, erstmal alles kritisch zu sehen. Und mir, als seiner Frau, liegt es am Herzen, ihn ernst zu nehmen, egal was er sagt. Wir müssen da unbedingt beide von unseren Ansprüchen ablassen. Nur ein bisschen wenigstens. Bis jetzt haben sich die Weine nämlich immer super entwickelt und zum Schluss war alles gut. Obwohl vorher alles so katastrophal schien. Die ganze Aufregung quasi umsonst, könnte man sagen. Aber nein! Man freut sich später irgendwie mehr über das Ergebnis, wenn man vorher nicht die optimalen Bedingungen hatte. Da wird Berufung über Leidenschaft zum Genuss! Und darauf können wir uns echt wieder freuen!
Man muss immer etwas haben, auf das man sich freut.
-Eduard Mörike-








